Walsers Roman Finks Krieg beruht auf einem authentischen Fall: Nach einer gewonnenen Landtagswahl versetzt der neue Staatssekretär Tronckenburg den altgedienten Beamten Stefan Fink zugunsten eines eigenen Parteigenossen. Der erfahrene Fink, in seiner Wiesbadener Staatskanzlei seit Jahren zuständig als Verbindungsmann zu den kirchlichen Institutionen, leidet unter dieser Ungerechtigkeit, ändern jedoch kann er daran nichts, die Verfahrensweise gilt als durchaus nicht unüblich. Erst ein Verfahrensfehler Tronckenburgs, einhergehend mit der -- frei erfundenen -- Behauptung, über Fink seien Beschwerden eingegangen, die die Versetzung unumgänglich machten, lassen den Beamten Fink zum Kämpfer werden. Nunmehr ist sein Fall für ihn zu einer Frage der Ehre geworden.

Diesmal ist es nicht die ganz leichte Kost, die uns Martin Walser hier vorsetzt. Dennoch, das ganze Sujet, die juristischen Spitzfindigkeiten, der politische Alltag in einer hessischen Staatskanzlei, es spricht für Walsers Sprachgewalt, daß es hier nicht einen Augenblick lang langweilig zugeht. Man ist gespannt bis zur letzten Minute, wie es dem Beamten Fink in diesem wahnwitzigen Kampf ergeht.

Die Zeit zitierte bei Erscheinen des Buches in ihrer Kritik den jüdischen Witz: "Kann schon sein, daß ich paranoid bin, aber vielleicht sind sie trotzdem hinter mir her!" Ganz klar, Stefan Fink ist paranoid, und verwundet dazu! Walser liefert die beklemmende Fallstudie eines Mannes, der fast wahnsinnig wird über der Erarbeitung seiner Verteidigungsstrategie. Er denunziert, stellt hemmungslos seine wenigen, noch verbliebenen politischen Freunde in seine Dienste, kopiert heimlich kiloweise Akten zu seiner Entlastung, ein schwitzendes, fuchtelndes Männlein, aber auch ein Held, der für die Wiederherstellung seiner Ehre alles tun wird.

Ein exzellent recherchierter Einblick in den oft zermürbenden politischen Alltag, das Psychogramm eines kleinen Beamten, der ins unmenschliche Räderwerk der Parteimaschine gerät, das ist Walser pur. Unbedingt lesenswert! --Ravi Unger